Unser Lieblingsbuch: Als wir allein auf der Welt waren

Was wäre wenn Eltern plötzlich etwas passiert? Was, wenn sie ihre Kinder nicht von der Kita abholen könnten, weil sie ein Laster überfahren hat? Klingt schrecklich diese Vorstellung, oder? Wer mag schon an solch ein Szenario denken, schließlich möchte man seine Kinder aufwachsen sehen, möchte gemeinsame Abenteuer erleben und zusammen lachen. Aber aus genau dieser Situation macht das schwedische Autorenduo Ulf Nilsson und Eva Eriksson eine wunderbar anrührende Geschichte, von der Euch heute Anna vom Blog „Familiemotte“ erzählen möchte.

Ganz allein auf der Welt

Ein kleiner Junge wartet vor dem Kindergarten auf seinen Papa. Eigentlich wird er immer pünktlich von seinen Eltern aus dem Kindergarten abgeholt. Und weil er jetzt die Uhr gelernt hat, weiß er ja ganz genau wann es drei Uhr ist. An diesem Tag aber kommen seine Eltern nicht. Irgendetwas muss passiert sein. Gedanken schießen durch seinen Kopf… Bestimmt sind seine Eltern tot. Von einem Laster überfahren.

Als wir allein auf der Welt waren Bild 1
© Moritz Verlag

Und er ist nun ganz allein auf dieser Welt – zusammen mit seinem kleinen Bruder. Also macht er sich auf eigene Faust auf den Heimweg, doch das Wohnhaus ist abgeschlossen. Was soll er jetzt tun? Er muss sich doch um seinen kleinen Bruder kümmern, denn der hat Hunger und wo sollen sie bloß schlafen? Der kleine Held ist entschlossen seinen Bruder auf keinen Fall merken zu lassen, was passiert ist. Er muss seine Eltern ersetzen so gut es geht. Was dann folgt sind hinreißende Einfälle des Kleinen, die von Kreativität und Phantasie nur so strotzen und einmal mehr beweisen, dass Kinder eine wunderbare Sicht auf die Welt haben.

Vom Tod…

Gleich vorweg sei gesagt: die Geschichte geht gut aus, die Eltern sind natürlich nicht tot, sondern der kleine Kerl hat sich nur in der Uhrzeit geirrt. Dennoch musste ich beim ersten Vorlesen heftig schlucken, denn das Thema ist sehr ernst und ich war unsicher, ob meine vierjährige Tochter das gut wegsteckt, oder ob es sie sehr beschäftigt. Tatsächlich ist es so, dass sie – bevor wir das Buch kannten – schon oft gefragt hat, ob ich oder ihr Papa irgendwann sterben müssen und wann das sein wird.

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© Moritz Verlag

Das zeigt, dass sie in einem Alter ist, in dem das Thema Tod sie schon beschäftigt, weil sie zu begreifen versucht, wie der Lauf des Lebens ist. Noch können wir sie beruhigen, können ihr sagen, dass es noch sehr lange dauert, bis Mama und Papa sterben. Trotzdem finde ich es wichtig, dass auch schon kleine Kinder begreifen, dass das Leben endlich ist, dass Menschen und Tiere nicht für immer auf der Welt verweilen und dass es Wege gibt, mit der Trauer umzugehen.

…der Kraft…

Dazu möchte ich Euch als Einstieg dieses Buch unbedingt ans Herz legen. Denn es behandelt das Thema Tod mit viel Fingerspitzengefühl und Humor. Natürlich hat der kleine Held Angst. Er fühlt sich allein gelassen und anfangs auch hilflos. Aber er entwickelt eine ungeheure Stärke als er merkt, dass er nun die Verantwortung für seinen kleinen Bruder trägt. Plötzlich weicht die Angst dem Tatendrang und er ist fest entschlossen, sein Leben zu meistern. Er kümmert sich liebe- und verantwortungsvoll und seinen Bruder – man ist gerührt von so viel Geschwisterliebe und beeindruckt, wie die beiden sich gegenseitig Halt und Sicherheit geben. Die beiden sind sich so nah und verbunden – genau das wünsche ich mir auch für meine eigenen Kinder, dass sie in traurigen Zeiten zusammenhalten und sich nicht unterkriegen lassen.

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© Moritz Verlag

… und der Fantasie

Da die Geschichte aus der Sicht eines 5-jährigen Kindes geschildert wird, sind die Sätze kurz und sehr verständlich geschrieben. Meine Tochter jedenfalls versteht sie gut und hat anschließend sehr viele Fragen gestellt. Trotz der recht einfachen Sprache haben die Wörter und ihre Bedeutung eine große Kraft und sind gleichzeitig einfühlsam und aufwühlend. Dazu kommen die wunderschönen Zeichnungen von Eva Eriksson, die perfekt zum Text passen. Ein gefühlvolles Kinderbuch, das zum Nachdenken anregt, trotzdem Raum zum Schmunzeln lässt und eine wunderbare Ode an die Fantasie und die Sicht auf die Welt aus Kinderaugen betrachtet ist.

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Unser Lieblingsbuch

Schon als Kind habe ich sehr gern und sehr viel gelesen. Bücher sind ein wunderbares Medium um in fremde Welten einzutauchen und sich diese in der Fantasie auszumalen. Auch meinen Kindern habe ich bereits ab dem Babyalter viel vorgelesen. Meine große Tochter ist genauso ein Bücherwurm wie ich – die Zwillinge ziehen hoffentlich bald nach. Als ich das Buch „Als wir allein auf der Welt waren“* zum ersten Mal in der Hand hielt, war ich unsicher, ob ich meine Tochter bereits jetzt – mit ihren vier Jahren – an ein so ernstes Thema wie den Tod heranführen kann.

Aber das Buch erzählt auf so wunderbar leichte und dennoch ernste Weise wie ein Kind sich fühlt, wenn es glaubt, dass die Eltern gestorben sind, dass ich einen Versuch wagte. Meine Tochter versteht nun, dass das Leben endlich ist, aber sie einen Weg finden wird, mit ihren Ängsten umzugehen und dass auch ihre Geschwister ihr in schweren Stunden Halt und Zuversicht geben werden.

Eure Anna

Daten zum Buch:
Autor: Ulf Nilsson, Eva Eriksson
Übersetzung: Ole Könnecke
Erscheinungsjahr: 16. Februar 2010
Verlag: Moritz Verlag
Altersempfehlung: 4 bis 6 Jahre
ISBN: 978-3-8956-5212-7
Bildquelle: © Moritz Verlag

Gefällt euch das Buch, könnt ihr es hier kaufen:

Über Anna

logo1fammotteAnna ist 38 Jahre alt, wohnt mit ihrer Familie in Hamburg und wollte eigentlich nie Kinder haben. Nun hat sie gleich drei davon (die Motte *01/2012 und die Zwillinge Minimotte und Floh *07/2015) und bloggt zwischen Windeln wechseln und Chaos beseitigen über ihren Familienalltag, Reisen, Ausflüge und Freizeitbeschäftigungen auf www.familiemotte.de.

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